Interview mit Göring-Eckart in der taz als Reaktion auf das Interview mit #JulieZeh:
„Göring-Eckardt: Nein. Ich würde aber auch nicht von der politischen Gesinnung abhängig machen wollen, welchen Handwerker ich bestelle.“
Das mag auf dem Dorf anders sein, aber ich würde niemals bei dem Fliesenleger anfragen, dessen Firmendesign in schwarz-weiß-rot und Frakturschrift gestaltet ist.
„Göring-Eckardt: Das stimmt. Ich verstehe auch, dass Leute wütend sind. Das ist doch aber kein Grund, eine Partei zu wählen, die rechtsradikal ist und menschenfeindliche Politik macht.“
Ja eben doch. Das wird nicht anders dadurch, dass man es unglaublich findet, sondern dadurch, dass man andere Politik macht. Das ist eins der Hauptprobleme. Sah man auch bei den Leserbriefen zu Julie Zeh. Empörung. Und dann? Ist billig. Bringt aber nichts.
„Wenn die Hälfte der Leute auf dem Land wohnt, gibt es genügend Gründe, sich das einmal umgekehrt anzuschauen.“
Tut sie ja nicht. 77% wohnen in Städten. Also mehr als drei Viertel.
Wenn man diese kleinen Gruppen vernachlässigt, kann einem das auf die Füße fallen. Der Osten ist übrigens auch eine kleine Gruppe. Und wenn man das kombiniert, wird es noch schlimmer: Der Osten ist überwiegend ländlich geprägt. Der Rechts-Links-Unterschied ist auch ein Stadt-Land-Unterschied. Siehe angepinnten Tröt.
„Trotzdem sage ich: Auf dem Dorf bist du nicht mobil, wenn du kein Auto hast. Selbst wenn bis abends ein Mal in der Stunde ein Bus fährt. Wer meint, es gehe ohne Auto, überträgt die Städtersicht auf das Dorf.“
Vielleicht nicht ganz repräsentativ, aber es gibt die eine Familie vom Dorf in der Nähe von Jena, die ohne Auto ausgekommen ist. Ein junger Mann ist mit dem Rollstuhl getrampt.
Ansonsten muss man sich eben kümmern. Busse, Rufbusse, Fahrgemeinschaften, Mitnahmebänke, whatever. Diese Antwort von einer grünen Politikerin finde ich etwas lahm. Aber was weiß ich, ich bin ja ein Städter.
Übrigens im Osten gab es bis Mitte der 90er mehr Bahnlienien und es gab einen Theaterbuss, der die Menschen zur Kultur gebracht hat und wieder zurück.
Geht alles. Kostet nur Geld und wenn die Lobbies in die andere Richtung arbeiten, ist es halt schwierig.
Vielleicht hilft dann mal autonomes Fahren.
Trampen mit Rollstuhl.
„Vor allem aber dürfen wir nicht aufhören, miteinander zu reden. Wir brauchen immer eine Brandmauer, wenn es um die politische Zusammenarbeit geht. Aber was es nicht geben darf, ist eine Brandmauer des Gesprächs.“
Ganz genau. Sehr gut.
Grünen-Politikerin über die Brandmauer: „Politik wird zu sehr von der Stadt her gedacht“
Wie umgehen mit AfD-Wählern im Osten? Die Schriftstellerin Juli Zeh hat im taz-Interview Antworten gegeben, die Katrin Göring-Eckardt ärgerten.Antje Lang-Lendorff (taz)
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diritschka
in reply to Stefan Müller • • •Ich hoffe, dass das in den nächsten 1-5 Jahren endlich autonom funktioniert. In HH und H beginnen IMHO die ersten Feldversuche in DE.
levampyre
in reply to diritschka • • •Sowas könnte ich hier bei uns auch gebrauchen. Ich wohne auf dem Land ohne Führerschein. Und der ÖPNV hier ist ein Witz. Es gibt immerhin Rufbusse, aber da muß man auch jedes Mal längerfristig vorplanen und Reisezeit mitbeingen.
@stefanmuelller
Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to levampyre • • •Jep. Auf die Mobilität auf dem Land sollte man lieber nicht mit dem Städterblick draufschauen. Trampen im Rollstuhl macht man wohl eher ausnahmsweise, mit dem Kinderwagen 10 km zum nächsten Supermarkt laufen wohl auch.
Gegenfrage mit dem Ländlerblick: Wer braucht in der Stadt noch überhaupt ein Auto?!
Stefan Müller
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •Wir arbeiten daran, die Autos in der Stadt loszuwerden. =
Mir ist schon klar, dass das auf dem Land nicht so einfach ist. Aber die Antwort auf den Supermarkt in 10 km Entfernung ist natürlich der Dorfkonsum, den es ja auch mal gab. Den muss man wollen und subventionieren. Dorfkonsum dient dem Zusammenhalt, dem Austausch und ist eben gut für Alte.
Sorry, wenn ich jetzt als Städter mit komischen Ideen komme. =
Zum Trampen im Rollstuhl: Diese Familie hatte bewusst kein Auto. Sie sind entweder Rad gefahren (ja, auch mit Bergen und drei Kindern) oder irgendwie anders.
Es geht prinzipiell, ist aber eben nicht massenkompatibel.
@levampyre @diritschka@squeet.me
Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to Stefan Müller • • •Solange ich für eine Zugstrecke von 15 km ein Ticket in Höhe von 8,40 Euro einlösen muss und dann noch mal so viel, um zurück zu kommen, dann nehme ich halt das Auto 🤷♀️ kostet mich nur 1-2 Euro Sprit plus evtl 1,20 Parkplatz.
Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •Strecke Tallinn-Tartu (180 km) kostet mit dem Bus zwischen 11 und 14 Euro. Mit dem Zug das Gleiche.
Von Tartu nach Riga (ca. 300 km) komme im neuen Schnellzug für grad mal 20 Euro.
Warum nur muss der Zug in Deutschland so teuer sein? Warum?
levampyre
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •@stefanmuelller
levampyre
in reply to levampyre • • •@stefanmuelller
levampyre
in reply to levampyre • • •Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to levampyre • • •Glück, wer einen Hofladen um die Ecke hat. Meistens sind die jedoch paar Dörfer weiter. Da kannst dann auch gleich zum Supermarkt.
Stefan Müller
in reply to levampyre • • •Ganz genau. Aber es ging ja um eine grüne (!) Politikerin mit Mangel an Phantasie. Irgendwer (TM) muss sich darum kümmern und vielleicht gibt es da ja ein paar Grüne oder sonst wen, der das anleiern würde. Dass es nicht einfach ist, ist klar.
@Datislogitsch
Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to Stefan Müller • • •Stefan Müller
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •„Sorry, aber Einfallslosigkeit kann man einer grünen Bundespolitikerin in Bezug auf Landes- und kommunalen Entscheidungen wohl nicht vorwerfen.“
Doch kann man. Eine Vorstellung und Visionen kann man haben und sollte man haben. Dass sie die dann nicht in jedem Dorf umsetzt, ist schon klar. Aber zu sagen: Is so. ist n bisschen lahm.
Das war ihr Statement:
„Trotzdem sage ich: Auf dem Dorf bist du nicht mobil, wenn du kein Auto hast. Selbst wenn bis abends ein Mal in der Stunde ein Bus fährt. Wer meint, es gehe ohne Auto, überträgt die Städtersicht auf das Dorf.“
Und das meine Antwort: “Ansonsten muss man sich eben kümmern. Busse, Rufbusse, Fahrgemeinschaften, Mitnahmebänke, whatever. Diese Antwort von einer grünen Politikerin finde ich etwas lahm. Aber was weiß ich, ich bin ja ein Städter.“
Irgendwie ist unsere Diskussion damit nicht mehr verbunden, aber hier ging's los:
... show more„Sorry, aber Einfallslosigkeit kann man einer grünen Bundespolitikerin in Bezug auf Landes- und kommunalen Entscheidungen wohl nicht vorwerfen.“
Doch kann man. Eine Vorstellung und Visionen kann man haben und sollte man haben. Dass sie die dann nicht in jedem Dorf umsetzt, ist schon klar. Aber zu sagen: Is so. ist n bisschen lahm.
Das war ihr Statement:
„Trotzdem sage ich: Auf dem Dorf bist du nicht mobil, wenn du kein Auto hast. Selbst wenn bis abends ein Mal in der Stunde ein Bus fährt. Wer meint, es gehe ohne Auto, überträgt die Städtersicht auf das Dorf.“
Und das meine Antwort: “Ansonsten muss man sich eben kümmern. Busse, Rufbusse, Fahrgemeinschaften, Mitnahmebänke, whatever. Diese Antwort von einer grünen Politikerin finde ich etwas lahm. Aber was weiß ich, ich bin ja ein Städter.“
Irgendwie ist unsere Diskussion damit nicht mehr verbunden, aber hier ging's los:
climatejustice.social/@stefanm…
@levampyre
Stefan Müller
2026-02-01 08:19:16
levampyre
in reply to Stefan Müller • • •@Datislogitsch
levampyre
in reply to levampyre • • •Aber auch die Nummer mit der geringen Bevölkerungsdichte ist hier ein echtes Problem. Bei uns am parteiübergreifenden Demokratiestammtisch der Region sitzt 1 Grünenpolitikerin und die ist grad im Krankenhaus. Linke und SPD sind etwas stärker vertreten. Aber am Ende hängt sämtliches (demokratisches) politisches Engagement an denselben 3 Hanseln. Und es brennt ja an jeder Ecke, nicht nur im Verkehrssektor. Das ist unglaublich viel Arbeit auf wenigen Schultern. 1/
@Datislogitsch
levampyre
in reply to levampyre • • •Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to levampyre • • •Oder das Thema Jugendpartizipation als nicht relevant/nicht möglich/zu mühsam vom Tisch gewischt. Wenn man im Dorf als Grüne was bewegen möchte, geht das am besten noch über Vereine.
levampyre
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •@stefanmuelller
Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to levampyre • • •Wir versuchen nun mit einem Verein die Jugendlichen an den Entscheidungen, die das Dorfleben betreffen, zu beteiligen und haben schon sehr gute Erfahrungen damit.
Langsam scheint der Bürgermeister das Thema zu verstehen.
levampyre
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •Ja, genau. Es gibt nicht mal n Jugendclub, also in unserem Dorf sowieso nicht. Aber nicht mal in der nächsten Stadt.
@stefanmuelller
Stefan Müller
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •Wahrscheinlich sind die Gehälter dort aber auch niedriger, oder?
Spanien und Portugal ist die Bahn auch billiger.
Aber das könnte natürlich auch bei uns stärker subventioniert werden. Wenn das gewollt wäre.
@levampyre
Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to Stefan Müller • • •T Lisa B
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •Küpsis 🫶🇬🇱
in reply to T Lisa B • • •T Lisa B
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •levampyre
in reply to T Lisa B • • •Ich denke auch, dass es einen Unterschied macht. Überlegt euch mal, wie hoch die Bevölkerungsdichte in D ist, 250 Menschen/km². Und das Schienennetz ist super komplex, auch wegen dem Gütertransitverkehr. Seit die Bahn privatisiert wurde, müssen große Teile des Netzes aus erwirtschafteten Geldern instand gehalten werden, während viele Menschen auf den staatlich subventionierten PKW umgestiegen sind (bevor sie in die Städte gezogen sind). Da fehlt Geld.
@Datislogitsch @stefanmuelller
T Lisa B
in reply to levampyre • • •Beispielhaft: Auf der ganzen Strecke zwischen Vaivara und Narwa, eingleisig, nicht elektrifiziert, gibt es keinen einzigen beschrankten Bahnübergang und die Meisten haben weder Ampeln oder Andreaskreuze. Da braucht es auch keinerlei Wartungaufwand/Personal/Prüfintervalle.
Noch eins: Vandalismus, wie hier, habe ich in EE auch noch nie gesehen.
Holger Dittmann
in reply to Küpsis 🫶🇬🇱 • • •levampyre
in reply to Holger Dittmann • • •@HolgerTDittmann Ja, der ÖPNV darf für meinen Geschmack überall gerne noch besser werden. Aber ich weiß nicht, ob man das mit Verantwortung bei privaten Unternehmen reißen kann. Eigentlich, glaube ich, gehört öffentliche Infrastruktur in staatliche Hand und sollte nicht kapitalistischen Profitinteressen und Renditezwängen unterworfen werden.
@Datislogitsch @diritschka @stefanmuelller